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Der Zoo Ústí nad Labem ist ein Zoo im Nordwesten Böhmens in Tschechien. Er liegt nahe der Grenze zu Deutschland und ist insbesondere von Dresden aus gut zu erreichen.

AllgemeinesBearbeiten

Der Zoo wurde ursprünglich als privates Schutzgelände für Vögel des Kaufmannes und Ornithologen Heinrich Lumpe errichtet, weshalb diese Einrichtung auch "Lumpepark" genannt wurde. Dieser kaufte 1908 ein Grundstück von 6 ha Fläche. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm der Staat das Gelände und baute es zu einem Zoo aus auf seine heutige Größe von 26 ha. In den 70er Jahren wurde größere Anlagen und Tierhäuser für größere Exoten errichtet, darunter auch für Elefanten. Der Zoo umfasst heute etwa 240 Arten und 1.500 Tiere. Der Zoo wird zu den bedeutendsten Zoos in Tschechien gezählt. Für Kinder gibt es neben einem "Kinderzoo" auch eine "Kinderwelt" mit Tierimitaten und den "Dinosaurier-Lehrweg".

ElefantenhaltungBearbeiten

Die Anfänge der ElefantenhaltungBearbeiten

Durch den späteren Ausbau kam die Haltung von Elefanten relativ spät auf. 1980 lebte der erste Elefant im Zoo, aber nur für kurze Zeit. Es handelt sich um eine junge Asiatische Elefantenkuh namens Vendulka, die für einen Zirkus im benachbarten Velichov einige Zeit im Zoo während der Quarantäne stand. Sie scheint dann aber in den Zoo Dvůr Králové gewechselt zu haben, von wo aus sie dann als Vendi in den Zoo Odessa ging[1], wo sie erfolgreiche Zuchtkuh wurde.

Kälber aus dem Zoo Saigon in VietnamBearbeiten

Es folgten etliche junge Kuhkälber aus Vietnam, die wild geboren waren und vor der Überführung nach Europa im Zoo Saigon in der südvietnamischen Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon) lebten. Das erste dieser Kälber war die etwa 1985 geborene Kala, die noch im November desselben Jahres in Ústí eintraf. Sie war mit Menschen sehr vertraut und war in guter Verfassung. Kala lebt bis heute im Zoo Ústí nad Labem. Ihr folgte genau ein Jahr später, am 30.11.1986, die junge Sita I., die anscheinend ebenfalls noch kein ganzes Jahr alt war und ohne mütterlicher Unterstützung auf die Reise geschickt wurde. Sie war in keinem guten Zustand und starb bereits einen Monat nach Ankunft am 04.01.1987. Während die beiden ersten vietnamesischen Kälber mit dem Flugzeug nach Böhmen kamen, wurden die beiden folgenden gemeinsam auf eine mehrmonatige Schiffsreise geschickt und trafen am 17.06.1987 im Zoo Ústí ein. Beide waren ebenfalls in schlechtem Zustand, unterernährt und verängstigt, und hielten sich eng beieinander. Dennoch wurde Sita II. schon ein Jahr später in den Zoo Duisburg abgegeben, während Delhi in Ústí nad Labem blieb und auch heute noch dort lebt. So kam es zu einer intensiven Annäherung von Kala und Delhi, so dass bereits gesagt wurde, die beiden Kühe könnten nicht getrennt werden. 1988 sollte ein weiteres Kalb aus dem Zoo Saigon in die damalige Tschechoslowakei kommen, dieses wurde jedoch vom niederländischen Zoll abgefangen und an den Zoo Rotterdam übergeben, wo es heute noch lebt. Wegen dieser Beschlagnahmung durch den Zoll erhielt sie den Namen Douanita. Damit war die Aufnahme von Elefanten aus Vietnam abgeschlossen.

ZuchtversucheBearbeiten

Die Elefantenanlage in Ústí nad Labem ist nicht auf die Haltung eines Bullen einrichtet, so dass seit Beginn sich nur weibliche Tiere dort aufhielten. Dennoch waren auch im Zoo Ústí Überlegungen vorhanden, mit den beiden dort herangewachsenen Kühen zu züchten. Die Erwägung, die Kühe für einige Zeit auswärts einzustellen, wurde bald verworfen. Sie holte man sich im Jahr 2000 Hilfe vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, das zunächst die Fruchtbarkeit von Kala und Delhi untersuchte. Während bei Kala festgestellt wurde, dass ihre produktive Phase bereits beendet sei, zeigte Delhi eine gute physische Veranlagung zur Fruchtbarkeit. So kam es, dass sie die erste Asiatische Elefantin in Europa wurde, die mittels künstlicher Befruchtung zur Trächtigkeit kam. Der erste Versuch im September 2002 mit Sperma des Bullen Emmet in Whipsnade (England) war gleich erfolgreich. Delhi gebar am 01.07.2004 nach einer langen Geburtsphase ein totes Bullkalb, dessen Tod in dem schwierigen Geburtsprozess seine Ursache haben soll, da er gesund und gut entwickelt war. Die Bemühungen wurden 2009 und 2010 mit dem Bullen Calvin im Zoo Ostrava als Samenspender fortgeführt, doch beide Male wurde Delhi nicht erneut trächtig. Es wurde entschieden, diese Methode zur Zucht mit Delhi aufzugeben. Ob es noch eine weitere Möglichkeit auf natürlichem Wege geben wird, ist nicht bekannt.

Haltung und UnterbringungBearbeiten

Slon indický v ZOO ÚSTÍ NAD LABEM 0502:27

Slon indický v ZOO ÚSTÍ NAD LABEM 05

Slon indický v ZOO ÚSTÍ NAD LABEM 05

Kala und Delhi werden in direktem Pflegerkontakt gehalten. Was für Kala anfangs kein Problem, musste mit der ängstlichen Delhi erst eingeübt werden. So werden die Elefanten auch bis heute im Zoo spazierengeführt[2]. 2004 erhielten sie, zusammenfallend mit Delhis Tragzeit, ein neues, größeres Elefantenhaus, wo auch ihr Kalb in Gegenwart von Kala geboren wurde. Kala ist die dominantere, aber jüngere und kleinere Kuh in Ústí, Delhi die stärkere und größere mit einem verstümmelten rechten Ohr und Tushes, die auch sehr anhänglich an Kala ist.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Historie Elefantenzucht in CR und SR, auf www.choboti.cz
  2. ZOO Ústí nad Labem…für jeden etwas, auf www.hrad-strekov.cz
Elefanten im Zoo Ústí nad Labem, Tschechien
Asiatische Elefanten
Kühe: Delhi | Kala
Bullen: -
Elefanten im Zoo Ústí nad Labem seit 1980
Asiatische Elefanten
Kühe: Vendi (1980) | Kala (1985-heute) | Sita I. (1986-1987) | Delhi (1987-heute) | Sita II. (1987-1988)
Bullen: Totgeburt (2004)

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