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Elefantenhaltung im Zoo HeidelbergBearbeiten

Im Zoo Heidelberg begann die Elefantenhaltung im Jahr 1957. Nachdem die beiden letzten Asiatischen Elefantinnen im November 2009 an den Zoo Karlsruhe abgegeben wurden und die Elefantenanlage danach saniert wurde, begann man im Juni 2010 mit der Haltung einer Gruppe junger männlicher asiatischer Elefanten, die in Leipzig 2002 (Voi Nam), Hamburg 2004 (Thai) und Hannover 2005 (Tarak) gezüchtet wurden. Im April 2011 wurde ein vierter männlicher Jungelefant, der 2006 geborene Gandhi aus Kopenhagen, in diese Gruppe aufgenommen. Die vier jungen Bullen werden aus Sicherheitsgründen im "protected-contact" gehalten. Thai hat als erster dieser Jungbullengruppe einen neuen Dauerplatz in einem anderen Zoo gefunden. Er wurde 2014 zehnjährig an den Zoo Zürich abgegeben, wo er neben dem langjährigen Zuchtbullen Maxi als Zweitbulle gehalten werden soll. Maxi hat in Zürich drei Töchter, deren neuer Zuchtpartner Thai sein soll. Auch Voi Nam soll in absehbarer Zeit den Zoo Heidelberg verlassen. Da er vietnamesischer Herkunft ist (beide Eltern), wäre bei seiner Weitervermittlung eine Haltung mit vietnamesischen Kühen nicht so schlecht. 2014 nach Thais Abgabe wurde ein neuer Jungbulle in die Jungbullenhaltung aufgenommen. Es ist der in Köln geborene Khin Yadanar Min. Der 2009 geborene Jungbulle lebte zwischenzeitlich mit seiner Mutter Aye Chan May in Belgien, da sie in der Kölner Herde ein "Mobbing Opfer" war und deswegen umplatziert wurde.

Das Haltungskonzept, dass mehrere Jungbullen nach der Trennung von der Mutter in einer Gruppe zusammenleben können, ist in Deutschland hiermit zum ersten Mal realisiert worden. Es ermöglicht den männlichen Jungelefanten, Erfahrungen zu machen, die dem Sozialverhalten in der freien Natur entsprechen. Neben diesem Aspekt ergeben sich dadurch für die Elefantenzucht ganz neue Möglichkeiten und Perspektiven.

Das Spielverhalten junger Elefanten ist bei beiden Geschlechtern unterschiedlich. Während die Weibchen vor allem durch das Interesse an den jüngeren Geschwistern spielerisch das Aufzuchtsverhalten erlernen, das sie später bei einem eigenen Jungtier anwenden müssen, um es am Leben zu erhalten, ist das Verhalten der Männchen weniger helfend und unterstützend, sondern mehr kämpfend und konkurrierend.

In Zoos, in denen es zu Zuchterfolgen kam, kann man bei genaueren Recherchen immer wieder feststellen, dass der Zuchtbulle die Gelegenheit hatte, mit einem anderen männlichen Jungtier aufzuwachsen oder zumindest Deckakte erwachsener Bullen zu beobachten. Auch ein dominantes erwachsenes Weibchen, das der junge Bulle fürchtet, kann vermutlich ein Konfliktverhalten erzeugen, das dem jungen Bullen die Kämpfe und Rangeleien mit anderen männlichen Tieren ersetzen kann. Vermutlich ist es so, dass der junge Bulle die Niederlagen, die er als Jungtier bei Konfliktverhalten mit stärkeren Tieren ertragen muss, allmählich durch das Heranwachsen in Siege verwandeln kann. Damit wird sein Selbstbewusstsein derart gesteigert, dass sein Testosteronspiegel ansteigt und es dadurch zu erfolgreichen Zeugungen kommt.

Die nun in Heidelberg heranwachsenden jungen Elefantenbullen können später in einen anderen Zoo abgegeben werden und die dortigen Weibchen decken. Der Zoo Heidelberg kann sie nach der Abgabe durch neue männliche Jungtiere ersetzen, die zuerst zwar von den schon vorhandenen stärkeren Bullen unterdrückt, später aber, wenn sie zum stärksten männlichen Tier der Bullenhaltung werden, weil die älteren Männchen abgegeben wurden, vermutlich Interesse am Decken entwickeln werden.

Ein Problem in der Elefantenzucht war in der Vergangenheit oft, dass man versuchte eine junge Elefantenkuh in eine fremde Herde zu integrieren, in der sie vom dortigen Zuchtbullen gedeckt werden sollte. Ohne den Schutz durch die Mutter, die ein junges Weibchen im Normalfall hat, wenn es in der Mutterfamilie verbliebe, ist es in so einer Situation dem Aggressionsverhalten der älteren Weibchen ausgesetzt, in deren Herde es nun lebt. Oft genug führen solche Versuche nicht zur Trächtigkeit der jungern Weibchen. Der Stress war vermutlich einfach zu groß und sie reisten oft ungedeckt wieder ab, obwohl der Zuchtbulle, dem man sie zuführte, durchaus zeugungsfähig war. Wenn man aber umgekehrt ein junges Weibchen kurzzeitig in einen Zoo mit einer Bullengruppe, wie sie jetzt in Heidelberg entsteht, zu Deckzwecken einstellen würde, wäre die Situation eine ganz andere. Wenn man sie dem stärksten Bullen zuführt, wird er sie vermutlich freudig empfangen und decken. Vielleicht wird sie anfangs etwas Angst vor ihm haben, aber wenn sie in Hitze ist, wird er sich sicher so freundlich ihr gegenüber verhalten, dass diese Angst bald vergeht. Die schwächeren Bullen, die man, um Blutvergießen zu vermeiden, in dieser Situation abgetrennt halten sollte, werden durch das Beobachten der Paarung des stärkeren Männchens vermutlich den Wunsch entwickeln, es ihm gleich zu tun, was sie später in einer anderen Situation, vielleicht einem anderen Zoo, ja auch realisieren sollen. (Es gibt Beispiele von männlichen Elefanten in asiatischen Camps, die sich erst in höherem Alter erfolgreich fortpflanzten, weil vermutlich ein stärkerer Bulle, der vorher die Zeugungen ausführte, nicht mehr da war.)

Der junge Afrikanerbulle Thabo-Umasai, der in Dresden 2006 als Produkt einer "artificial insemination" entstand, wurde im Sommer 2011 an den Zoo Pittsburg abgegeben. Im Zoo Pittsburg gibt es keine anderen Bullen. In Dresden hatte Thabo-Umasai auch keine Gelegenheit gehabt, einen anderen Elefantenbullen zu beobachten oder mit ihm zu interagieren. Es ist eher nicht zu erwarten, dass ein junger Elefant, der noch nie einen anderen Bullen gesehen hat, später Deckverhalten zeigen wird.


Nach der Rückgabe von Voi Nam nach Leipzig (Mai 2015) wohnt inzwischen als aktueller vierter Bewohner der WG Ludwig aus München in Heidelberg.


Elefanten im Zoo Heidelberg
Asiatische Elefanten
Kühe: -
Bullen: Tarak (2005) | Gandhi (2006) | Khin Yadanar Min (2009) | Ludwig (2011)

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